Rheuma und Wut: Wie diese Emotion deine Krankheit beeinflusst – und wie du damit umgehen kannst

Kennst du das: Diesen Klos im Hals, wenn du nachts vor Rheuma-Schmerzen nicht liegen kannst? Das hilflose Gefühl, wenn du mit deinen Rheuma-Händen die blöde Wasserflasche nicht aufgedreht kriegst, um deine Tabletten zu nehmen? Diese Wut im Bauch, weil du nicht verdienst, so eingeschränkt zu werden?
Du hast recht! Deshalb verraten wir dir, was Rheuma und Wut gemeinsam haben und wie du ab sofort besser damit umgehst. Denn wenn du weißt, wie Stress und Gefühle den Alltag mit Rheuma beeinflussen können – und wie du langfristig gelassener wirst, gehst du besser mit Schmerzen und Anspannung um.
Wut macht Rheuma nicht automatisch schlimmer. Aber Dauerstress hängt mit Entzündungsreaktionen zusammen. Und beides kann sich beeinflussen.
- Rheuma ist ein Sammelbegriff. Hier geht es vor allem um rheumatoide Arthritis – eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung.
- Wut ist eine Grundemotion. Sie entsteht, wenn dein Körper Alarm schlägt und in Stressbereitschaft geht.
- Offene, passiv-aggressive und unterdrückte Wut wirken unterschiedlich auf den Körper. Unterdrückte Wut hält die Anspannung besonders lange aufrecht.
- Dauerstress, unterdrückte Emotionen, Schuld und Scham können den inneren Druck erhöhen und den Körper belasten.
- Akut helfen Reize reduzieren, bewusst atmen, Bewegung und ein klarer mentaler Stopp. Langfristig geht es darum, Gefühle nicht runterzuschlucken, Grenzen ernst zu nehmen und Pausen einzuplanen.
Was ist mit „Rheuma“ hier genau gemeint?
Rheuma ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Erkrankungen des Bewegungsapparates. In diesem Artikel geht es vor allem um die rheumatoide Arthritis – eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe, vor allem die Gelenkinnenhaut, an.
Die Folge sind Entzündungen, Schwellungen, Schmerzen und im Verlauf mögliche Gelenkschäden. Warum die Erkrankung entsteht, ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass genetische Veranlagung, Umweltfaktoren, Infektionen, hormonelle Einflüsse und psychosozialer Stress zusammenwirken.
Was ist Wut – und wie entsteht sie?
Was ist Wut?
Wut ist…
- die stärkste menschliche Emotion – und eine unbeliebte noch dazu.
- ein heftigeres Gefühl als Ärger und schwerer in Griff zu halten als Zorn.
- ansteckender als Glücksgefühle.
Stell dir vor: Ein Höhlenmensch lief mit seinem Stamm durch die Steppe und traf auf einen feindlichen Stamm oder ein wildes Tier. Durch ein wutverzerrtes Gesicht ließ er instinktiv durchblicken: Achtung, ich kann mich wehren! In der Steinzeit konnte man also ohne anstrengenden Kampf überleben, wenn man Wut ausdrückte.
Heute ist Wut, die am meisten diskutierte, Grundemotion. Wer offen wütend ist, eckt an. Erinnere dich an den Einkauf im Supermarkt um die Ecke. Als die junge Mutter ihr Kind an der „Quengelware“ im Kassenbereich vorbeischob und das Kind lauthals losbrüllte. Weißt du noch, wie die Mutter rot anlief und andere Kunden kopfschüttelnd wegschauten – obwohl Wutausbrüche bei Kleinkindern zur normalen Entwicklung gehören?
Wie entsteht Wut?
Wut entsteht in einem biogenetisch alten Bereich des Gehirns. Im Gehirn spielt die Amygdala dabei eine zentrale Rolle. Die Amygdala sitzt auf Schläfenhöhe – etwa dort, wo man mit dem Zeigefinger hin tippt, wenn man jemandem einen Vogel zeigt. Sie ist die Schaltzentrale für Wut und Angst – und wichtig, um Emotionen zu verarbeiten. Wut entsteht also, wenn im Gehirn die Alarmglocken klingeln.
⇒ Dass die Amygdala emotionale Reize bewertet und Stressreaktionen anstößt, beschreibt der Neurowissenschaftler Joseph LeDoux in seinem Buch „The Emotional Brain“ von 1996.

Schematische Illustration, mit KI erstellt.
Wut macht dich aufmerksam, dass etwas in deinem System nicht stimmt. Du ein Gefühl wegdrückst, statt es auszudrücken – oder du dich gerade nicht gut um dich kümmerst. Zum Beispiel, wenn:
- einer was tut, was du nicht willst oder deine Regeln bricht.
- du dich nicht gesehen, ungerecht behandelt oder auf den Schlips getreten fühlst.
- du das Gefühl hast, mit deinen Wünschen wieder in die Röhre zu gucken.
Stell dir vor: Deine Chefin bittet dich schon wieder vor Kollegen Überstunden zu machen. Dabei hattest du ihr öfter erklärt, dass Überstunden dich stressen und deine Rheuma-Schmerzen verstärken. Sie überschreitet mit ihrer Bitte wiederholt deine Grenzen und bringt dich vor Kollegen in eine blöde Situation.
Deine Schaltzentrale im Gehirn schlägt Alarm. Botenstoffe und Stresshormone werden ausgeschüttet. Du denkst: Diese blöde Kuh – und merkst, wie dein Hals pocht, deine Stimme zittert und dir Hitze in den Kopf steigt. Es brodelt!
Diese 3 Arten von Wut solltest du kennen
Reden wir über die 3 wichtigsten Arten der Wut, die du beim Thema Rheuma und Wut unbedingt kennen solltest. Bleiben wir bei deiner Chefin. Du kannst unterschiedlich auf ihre Bitte reagieren:
1. Offene Wut
Dir platzt der Kragen. Du machst deinem Ärger sofort und ohne Rücksicht auf Verluste Luft. Schreist deine Chefin an und fragst, was ihr einfällt. Dann rauschst du ab und knallst die Tür so fest hinter dir zu, dass sie fast aus den Angeln fliegt. Nach dem spontanen Wutausbruch atmest du durch und die Anspannung im Körper flaut ab.
2. Passiv-aggressive Wut
Du findest das Verhalten deiner Chefin richtig doof, traust dich aber nicht, ihr das ins Gesicht zu sagen. Zähneknirschend stimmst du den Überstunden zu. Gehst dann aber in passiven Wiederstand. Du denkst gar nicht dran, die Aufgaben für deine Chefin zu erledigen – obwohl du das zugesagt hast. Du unterdrückst einen Teil deiner Wut. Das Thema beschäftigt dich länger. Dein Körper ist länger angespannt.
3. Unterdrückte Wut
Du bist sauer auf dich: Weil du deine Bedürfnisse hintenanstellst, nicht klar sagst was Sache ist und nicht tust, was du eigentlich willst. Du unterdrückst deine Wut – schluckst deinen Ärger runter. Dein Körper bleibt angespannt.

Höhlenmenschen hat Wut geholfen zu überleben. Heute ist Wut das Gefühl, dass keiner haben will. Wut entsteht, wenn im Gehirn die Alarmglocken klingeln. Es gibt 3 Arten von Wut, die unterschiedlich lange auf den Körper wirken.
Die 3 Arten von Wut – und wie sie auf Körper und Rheuma wirken (im Überblick)
| Art der Wut | Typisches Verhalten | Wirkung im Körper | Mögliche Folge bei Rheuma |
|---|---|---|---|
| Offene Wut | Du lässt den Ärger sofort raus (ohne Rücksicht auf Verluste). | Nach dem Wutausbruch atmest du durch, die Anspannung flaut ab. | Wirkt eher kurzfristig auf den Körper. |
| Passiv-aggressive Wut | Du sagst „ja“, traust dich aber nicht, offen zu werden – und gehst in passiven Widerstand. | Du unterdrückst einen Teil der Wut. Das Thema beschäftigt dich länger, der Körper bleibt länger angespannt. | Längere Anspannung kann Stress verstärken. |
| Unterdrückte Wut | Du schluckst den Ärger runter und bist sauer auf dich, weil du nicht klar sagst, was Sache ist. | Der Körper bleibt angespannt. | Studienlage uneinheitlich, für Rheuma nicht belegt. |
Diese Übersicht zeigt, wie offene, passiv-aggressive und unterdrückte Wut unterschiedlich lange auf den Körper wirken – und warum unterdrückte Wut bei Rheuma besonders relevant sein kann.
Wieso hat Wut Einfluss auf Rheuma?
Kann Stress Rheuma auslösen?
Warum jemand an Rheuma erkrankt, ist nicht geklärt. Stress ist nach heutigem Wissen höchstens ein Faktor unter mehreren. In einer schwedischen Registerstudie erkrankten Menschen mit einer stressbedingten Diagnose später rund 36 % häufiger an einer Autoimmunerkrankung.
Stell dir das so vor: Emotionen, die du unterdrückst – drückt dein Körper aus. Emotionen suchen sich, genau wie Wasser, immer einen Weg. Ein Staudamm bricht auch nicht beim ersten Regenguss. Ein Damm bricht meist durch den Druck von Hochwasser, wenn er vorher nicht gut gepflegt wurde.
Die genauen Gründe, warum jemand an Rheuma erkrankt, sind bis heute unklar. Klar ist nur, dass viele Faktoren zusammenkommen, um eine Autoimmunerkrankung, wie Rheuma auszulösen. Dazu gehören:
- erbliche Veranlagung (nach Zwillingsstudien etwa die Hälfte des Risikos)
- Infektionen
- Ernährung
- Umwelteinflüsse
- mentale Belastungen, wie Stress
Warum Frauen häufiger betroffen sind – und was das bedeuten kann
- Frauen erkranken 2–3x häufiger an rheumatoider Arthritis.
- Chronischer psychosozialer Stress kann Entzündungsprozesse beeinflussen.
- Das bedeutet nicht Ursache, sondern möglichen Einflussfaktor im multifaktoriellen Geschehen.
⇒ Dass Frauen etwa zwei- bis dreimal so häufig erkranken wie Männer, beschreibt eine Übersichtsarbeit im Mediterranean Journal of Rheumatology von 2023.
Dauerstress kann das Immunsystem aus dem Takt bringen
Obwohl viele Viren und Bakterien umherschwirren, bist du nicht ständig krank. Das liegt an den Gedächtniszellen deines Immunsystems. Es erinnert sich an alle Informationen eines Krankheitserregers und bekämpft ihn bei erneuter Infektion – meist, bevor du es merkst.
Bei Autoimmunerkrankungen, wie Rheuma sind in den Gedächtniszellen Falschinformationen gespeichert. Das Immunsystem erkennt z. B. eigene Muskeln, Gewebe und Gelenke dummerweise als Eindringling und versucht ihn durch Entzündungen zu bekämpfen.
Wut ist ein starker Stressauslöser. Der Körper schüttet Stresshormone aus, darunter Cortisol. Cortisol bremst Entzündungen normalerweise. Bei Dauerstress reagieren Immunzellen schlechter auf Cortisol, Entzündungen werden dann schlechter heruntergeregelt. Das haben Forschende bei gesunden Erwachsenen gezeigt. Ob das Rheumaschübe erklärt, ist nicht geklärt.
⇒ Dass anhaltender psychischer Stress das Immunsystem messbar verändert, zeigt eine Meta-Analyse im Fachjournal Psychological Bulletin aus dem Jahr 2004. Kurzer Stress aktiviert die Abwehr, langer Stress schwächt sie.
Wut verursacht Muskelverspannungen
Wut, Ängste, Stress und sogar negative Gedanken können den Körper in Daueranspannung versetzen. Die Schaltzentrale im Gehirn animiert die Nebennieren Botenstoffe wie Adrenalin und Cortisol auszuschütten. Dein Blutdruck steigt. Du kriegst Puls. Dein Gesicht zieht Grimassen. Unter Stress spannt sich die Muskulatur an.
Das kann Schmerzen verstärken und fühlt sich bei Rheuma oft ähnlich an wie Gelenkschmerz. Jede Bewegung tut weh. Du wirst wütend. Der Körper reagiert mit Kampf-Flucht-Modus. Und der Teufelskreis von verspannter Muskulatur, Rheuma-Schmerzen und Wut dreht sich fröhlich weiter.

Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen, um an Rheuma zu erkranken. Dauerstress belastet den Körper. Wenn du besser mit Wut und Anspannung umgehst, gehst du womöglich auch besser mit Rheuma-Schmerzen um.
Modell: Wie Dauerstress die Entzündungsbremse stören kann
| Schritt | Was passiert im Körper? | Innerer Mechanismus | Mögliche Folge |
|---|---|---|---|
| 1 | Wut löst im Gehirn Alarm aus (Amygdala). | Kampf- oder Flucht-Modus startet. | Der Körper geht auf Stress. |
| 2 | Nebennieren schütten Botenstoffe und Stresshormone aus, darunter Cortisol. | Cortisol bremst Entzündungen normalerweise. | Kurzfristig bleibt die Entzündung unter Kontrolle. |
| 3 | Bei Dauerstress reagieren Immunzellen schlechter auf Cortisol. | Cortisol wirkt schwächer. | Die Entzündungsbremse arbeitet nicht mehr zuverlässig. |
| 4 | Entzündung wird schlechter reguliert. | Entzündungsreaktionen werden weniger stark heruntergeregelt. | Entzündungen können länger anhalten oder stärker ausfallen. |
Dieses Modell zeigt, wie Dauerstress die Entzündungsbremse stören kann. Es wurde an gesunden Erwachsenen getestet und ist für Rheuma nicht bewiesen.
⇒ Die Studienlage zu Stress und Rheumaschüben ist gemischt. In einer Verlaufsstudie mit 545 Menschen mit frischem Rheuma hingen Belastung und Krankheitsaktivität zusammen, Belastung löste spätere Schübe aber nicht nachweislich aus. Wer Gefühle schlecht erkennen und ausdrücken konnte, erlebte 1,5 Jahre später mehr Krankheitsaktivität.
Wenn Schmerz und Wut gleichzeitig eskalieren:
1. Erst den Körper regulieren – nicht diskutieren
Wenn der Schmerz akut da ist, ist dein Nervensystem auf 180. Da bringen kluge Analysen oder ein „Reiß dich mal zusammen“ gar nichts. Dein einziges Ziel: Stress rausnehmen.
- Atme tief und langsam.
- Mach die Reize aus (Handy weg, Licht gedimmt).
- Leg dich hin.
- Schnapp dir Wärme oder Kälte – was dir gerade guttut.
2. Kein Öl ins Feuer gießen
Wenn der kleine innere Pyrotechniker immer weiterzündelt, kommt dein Körper nicht aus dem Alarmmodus. Dann wird aus einem Gedanken schnell Druck. Aus Druck wird Stress. Und Stress ist bei Rheuma kein Nebenschauplatz. Stress kann die Entzündungsregulation stören. Also: Fang jetzt keine Grundsatzdiskussionen an und triff keine wichtigen Entscheidungen. Und vor allem: Stopp dein Gedankenkarussell („Warum ich?“, „Ich bin unfähig“). Alles, was dich zusätzlich stresst, erhöht die Anspannung.
3. Erst reflektieren, wenn der Körper sich beruhigt hat
Sobald dein Körper wieder halbwegs entspannt, kannst du mal kurz reflektieren: Was hat mich eigentlich gerade so getriggert? War es wirklich nur der Schmerz oder war da noch ein doofer Kommentar, ein Mensch oder ein blöder Gedanke im Spiel?
4. Sei ehrlich zu dir: Selbsthilfe hat Grenzen
Wenn der Schub nicht aufhört oder die Verzweiflung dich überrollt, hol dir Profis ins Boot. Ein Arzt für den Körper und ein Therapeut für den Kopf sind kein Widerspruch, sondern ein verdammt starkes Team. Du musst da nicht alleine durch.
Wenn Wut hochkocht: 7 Sofort-Tools (2–15 Minuten)
1. Die Situation verlassen und deine Wut ins Wartezimmer setzen (1–3 Minuten)
Geh kurz aus der Situation. Stell dir vor: Du setzt deine Wut in ein Wartezimmer und versprichst, dich später zu kümmern. Das verschafft dir Zeit und gibt deinem Körper die Chance wieder auf „Normalbetrieb“ umzustellen. Natürlich solltest du dir später auch Zeit nehmen, um deine Wut zu fühlen.
2. Tief durchatmen (2 Minuten)
Atme gleichmäßig durch die Nase ein – zähle gedanklich bis 10 – und atme langsam wieder aus. Langsames Atmen (weniger als 10 Atemzüge pro Minute) kann Anspannung, Angst und Wut verringern.
⇒ Das zeigt eine Übersichtsarbeit von 2018 mit 15 Studien an gesunden Erwachsenen.
3. An ein Stopp-Schild denken (sofort wirksam)
Dein Gehirn hat gelernt, dass ein Stopp-Schild immer „Anhalten“ bedeutet. Der Gedanke setzt einen mentalen Cut. Er unterbricht die Stressspirale und verschafft dir Abstand.
4. „Interessant“ denken (30 Sekunden)
Das Wort „Interessant“ holt dich aus dem inneren Film. Du wechselst von Reaktion zu Beobachtung.
5. Beweg dich (5–15 Minuten)
Geh spazieren, mach ein paar Dehnübungen oder tob dich beim Sport aus. Das hilft, Energie abzubauen und den Kopf frei zu kriegen.
6. Deine Wut in den Arm nehmen (2-3 Minuten)
Konzentriere dich auf Lösungen statt auf Ärger. Stell dir vor, wie du deine Wut umarmst und „Danke“ sagst. Erinnere dich: Deine Wut meint es gut mit dir. Sie ist da, weil etwas in deinem System gerade nicht stimmt.
7. Entspann dich (5–15 Minuten)
Probiere mal Entspannungstechniken wie Meditation oder Achtsamkeitsübungen. Das hilft runterzukommen und Wut zu kanalisieren. Nicht enttäuscht sein, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Das musst du etwas üben.
⇒ Dass Achtsamkeitsprogramme bei Rheuma die psychische Belastung senken können, zeigen zwei Studien: eine Studie von 2007 mit 63 Teilnehmenden (nach 6 Monaten) und eine Studie in den Annals of the Rheumatic Diseases von 2012, die auch mehr Selbstwirksamkeit im Umgang mit Schmerz fand (nach 12 Monaten).
So bekommst du deine Wut langfristig besser in den Griff: Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung für mehr Gelassenheit
Schritt 1:
- Lass die Vergangenheit, Vergangenheit sein. Nimm dir oder anderen nichts übel. Jeder handelt so gut er kann.
So geht’s ⇒ Ho’oponopono! Das Wort ist hawaiisch und heißt etwa „in Ordnung bringen“. Ursprünglich ist es ein Versöhnungsverfahren, das Familien gemeinsam durchführen. Die Variante für einen allein geht auf Morrnah Simeona zurück. Das Mantra „Ich liebe dich. Bitte vergib mir. Es tut mir leid. Danke.“ wurde durch Dr. Ihaleakala Hew Len bekannt. Ho’oponopono kann dir helfen, mit dir und anderen ins Reine zu kommen. Und das Beste: Es ist ratz fatz gemacht.
Schritt 2:
- Freu dich über die schönen Dinge des Tages.
So geht’s ⇒ Steck dir eine Handvoll Erbsen in deine linke Hosentasche. Wenn dich jemand anlächelt, du wen nettes triffst und dich über etwas freust, wechselt eine Erbse von der linken in die rechte Hosentasche. Abends schaust du wie viele Erbsen in jeder Hosentasche sind. Du wirst dich wundern, wie viele schöne Momente du jeden Tag erlebst. Probier’s aus. Viele merken, wie viele schöne Momente sie sonst übersehen.
Schritt 3:
- Finde heraus, was du wirklich willst und was dir leichtfällt.
So geht’s ⇒ Frag dich: Was hab ich mir immer gewünscht, was wollte ich schon lange machen, was kann ich richtig, richtig gut und was kann definitiv weg.
Schritt 4:
- Mach ab sofort weniger von den Dingen, die du nicht willst.
So geht’s ⇒ Bevor du jetzt Luft holst und aufzählst, was du alles Wichtiges für wen tun musst und warum du auf gar keinen Fall etwas weglassen kannst… Lass dir gesagt sein: Es geht – Es ist nur eine Entscheidung – deine!
Schritt 5:
- Nimm dir auch im stressigen Alltag Zeit für dich. Zeit, in der du Dinge tust, die du wirklich gerne machst und die dir guttun.
So geht’s ⇒ Hör gute Musik. Musik kann chronische Schmerzen lindern. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien fand weniger Schmerzen und weniger Depression, besonders bei selbst gewählter Musik. Du kannst auch Malen oder einfach nur in die Lieblings-Kuscheldecke gewickelt auf dem Sofa liegen – alles ist o.k.!
Schritt 6:
- Nimm dir was vor, was du erreichen kannst und selbst in der Hand hast.
So geht’s ⇒ Frag dich: Was will ich bis Tag X auf jeden Fall erreichen? Dann überlege dir, wo du in der Mitte dieser Zeit stehen musst, damit dein Plan an Tag X aufgeht. Und so weiter… Bis du heute angekommen bist. Womit kannst du sofort loslegen? Wichtig: Setzte dir Ziele immer mit genauem Datum. Deadlines wirken Wunder!
Schritt 7:
- Teil dir Kraft und Zeit bewusst ein.
So geht’s ⇒ Frag dich: Was muss als erstes fertig sein? Was kann warten? Wer kann mich unterstützen? Wichtig: Plane Pausen ein.
Schritt 8:
- Schreib es dir von der Seele.
So geht’s ⇒ Schreib drei Tage lang je 20 Minuten auf, was dich am meisten belastet. In einer Studie mit Rheuma-Patientinnen und -Patienten sank die Krankheitsaktivität nach 4 Monaten um 28 %.
Wie das im Alltag aussehen kann, zeigt Juttas Leben mit Rheuma als Pferdetrainerin: weniger Muskelkraft, mehr mentale Techniken – und öfter mal „Danke, aber nein“.
Wenn zur Wut auch noch Schuld dazukommt
Viele Menschen mit einer chronischen Erkrankung haben irgendwann das Gefühl, nicht mehr richtig zu funktionieren. Nicht belastbar genug zu sein. Nicht leistungsfähig genug zu sein. Nicht „normal“ zu sein. Wut passt da oft nicht ins Bild. Also wird sie runtergeschluckt. Weil man ja dankbar sein soll. Weil andere es „schlimmer haben“. Weil man niemandem zur Last fallen will.
Dazu kommt der Druck von außen: positiv bleiben, stark sein, sich zusammenreißen. Chronisch krank – aber bitte angepasst. Und möglichst gut gelaunt. Das Problem: Unterdrückte Emotionen plus ständiger Leistungsanspruch erzeugen Dauerstress. Und Dauerstress ist bei einer entzündlichen Erkrankung kein Nebenschauplatz.
Schuld und Scham ersetzen keine medizinische Behandlung. Aber sie erhöhen den inneren Druck. Und mehr Druck bedeutet für ein ohnehin aktives Entzündungssystem keine Entlastung.
Diese 3 Fehler solltest du bei Rheuma und Wut unbedingt vermeiden
1. Zu glauben deine Familie sei schuld an deinem Rheuma
Rheuma ist keine klassische Erbkrankheit. Erbanlagen erhöhen aber das Risiko, nach Zwillingsstudien machen sie etwa die Hälfte aus. Das ist Veranlagung, keine Schuld. Niemand ist schuld an deiner Krankheit – auch du selbst nicht.
2. Nicht reden
Wenn’s dir schlecht geht, schluck’s nicht runter. Rede mit Freunden, einer Therapeutin oder einem Coach über deine Gedanken und Gefühle und denke in Lösungen – statt in Problemen.
Wie viel sich verändert, wenn du endlich darüber redest, erzählt Jutta in ihrem Erfahrungsbericht Leben mit Rheuma: Warum ich trotz der Diagnose Pferdetrainerin geblieben bin.
3. Sich allein auf den Rheumatologen verlassen
Fachärzte sind Profis auf einem Gebiet und kümmern sich um deinen Körper. Es ist nicht ihr Job, den ganzen Menschen, mit seinen Gefühlen, seiner Geschichte und seinem Lebensmodell in die Behandlung einzubeziehen.
Manchmal sitzt der Druck eben tiefer, als ein guter Rat drankommt. Wenn du spürst, dass bei deinem Rheuma auch alte Wut, Schuld oder innerer Druck eine Rolle spielen könnten, ist Tiefenhypnose ein Weg, genau dort hinzuschauen.

Mehr über Tiefenhypnose erfahren
Häufige Fragen zu Rheuma und Wut
Was ist Wut und wie entsteht sie?
Wut ist eine starke Grundemotion. Im Gehirn spielt die Amygdala dabei eine zentrale Rolle, wenn Alarm ausgelöst wird. Das passiert, wenn Grenzen überschritten werden, du dich ungerecht behandelt fühlst oder eigene Bedürfnisse unterdrückst. Der Körper schüttet Stresshormone aus, Puls und Blutdruck steigen, Muskeln spannen sich an.
Welche Arten von Wut gibt es?
Es gibt offene Wut, passiv-aggressive Wut und unterdrückte Wut. Offene Wut entlädt sich schnell. Passiv-aggressive Wut schwelt länger. Unterdrückte Wut bleibt im Körper und hält die Anspannung aufrecht.
Wie kann Wut Rheuma beeinflussen?
Wut ist ein Stressauslöser. Dauerstress hängt mit Entzündungsreaktionen zusammen, und nach stressbedingten Erkrankungen erkranken Menschen später häufiger an Autoimmunerkrankungen. Ob Wut oder unterdrückte Wut Rheumaschübe auslöst, ist nicht belegt. Wer Gefühle schlecht erkennen und ausdrücken kann, erlebte in einer Studie später mehr Krankheitsaktivität.
Was hilft akut, wenn Wut hochkommt?
Kurz die Situation verlassen, bewusst atmen, Bewegung, Entspannung, gedanklich ein Stopp-Schild setzen oder die Perspektive wechseln. Das kann Stresshormone senken und den Körper beruhigen.
Was hilft langfristig, um Wut besser in den Griff zu bekommen?
Vergangenheit loslassen, schöne Momente bewusst wahrnehmen, klare Ziele setzen, weniger Dinge tun, die gegen die eigenen Bedürfnisse gehen, Pausen einplanen und über Gefühle sprechen. Wichtig ist, nicht alles in sich hineinzufressen und Rheuma ganzheitlich zu betrachten.
Was will mir Rheuma sagen?
Rheuma ist keine Strafe und kein Symbol. Es ist eine Autoimmunerkrankung mit vielen Ursachen. Stress und unterdrückte Gefühle sind keine bewiesenen Auslöser, können den Alltag mit Rheuma aber schwerer machen. Die spannendere Frage lautet: Was habe ich lange genug für mich behalten – und was darf jetzt raus?
Quellen
- Song et al. (2018): Association of stress-related disorders with subsequent autoimmune disease. JAMA
- Segerstrom & Miller (2004): Psychological stress and the human immune system: a meta-analytic study of 30 years of inquiry. Psychological Bulletin
- Cohen et al. (2012): Chronic stress, glucocorticoid receptor resistance, inflammation, and disease risk. PNAS
- Overman et al. (2012): The prospective association between psychological distress and disease activity in rheumatoid arthritis. Annals of the Rheumatic Diseases
- Middendorp et al. (2005): Emotion regulation predicts change of perceived health in patients with rheumatoid arthritis. Annals of the Rheumatic Diseases
- Zangi et al. (2012): A mindfulness-based group intervention to reduce psychological distress and fatigue in patients with inflammatory rheumatic joint diseases. Annals of the Rheumatic Diseases
- Pradhan et al. (2007): Effect of mindfulness-based stress reduction in rheumatoid arthritis patients. Arthritis & Rheumatism 57(7):1134–1142
- Smyth et al. (1999): Effects of writing about stressful experiences on symptom reduction in patients with asthma or rheumatoid arthritis. JAMA
- Zaccaro et al. (2018): How breath-control can change your life: a systematic review on psycho-physiological correlates of slow breathing. Frontiers in Human Neuroscience
- Garza-Villarreal et al. (2017): Music-induced analgesia in chronic pain conditions: a systematic review and meta-analysis. Pain Physician
- Venetsanopoulou et al. (2023): Epidemiology and risk factors for rheumatoid arthritis development. Mediterranean Journal of Rheumatology
- The Lancet (2010): Rheumatoid arthritis
Der Druckpunkt
Wenn dich das hier packt
Dann bleib dran und hol dir unseren Druckpunkt – den Reitgeist-Newsletter für Pferdefrauen, die verstehen wollen, was zwischen Körper, Kopf und Pferd wirklich läuft.
Über die Autorin
Denise Beckmann ist zertifizierte Hypnosetherapeutin (SOL), Mentalenergetikerin (SOL) und Pferdetherapeutin für Osteopathie, Physiotherapie und Akupunktur. Seit 2012 leitet sie gemeinsam mit Jutta Beckmann das Unternehmen Reitgeist im Münsterland und online. Sie lebt seit 1992 mit Typ-1-Diabetes und schreibt aus eigener Erfahrung über den Alltag mit der Erkrankung und moderner Diabetestechnik. 2024 erhielten Denise und Jutta den RheumaPreis. Heute arbeitet Denise mit Frauen mit hoher Verantwortung, deren Körper oder Pferd bereits auf anhaltenden Druck reagieren. Im Blog schreibt sie über die Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und Pferd sowie über eigene Erfahrungen und Fälle aus ihrer Arbeit.
Kommentar schreiben
[…] Rheuma und Wut: Wie diese Emo[…] […]
[…] sind hochgezogen, sie atmet flach, die Kiefermuskeln sind angespannt. Sie lebt seit Jahren mit Rheuma und Wut – und ihr Körper steht innerlich ständig unter […]
[…] kann besser steuern, was ich denke und wie ich mit meinen Gefühlen umgehe. Statt mich auszulaugen, sag ich heute auch mal: „Danke, aber […]


Ich habe seit 2009 Rheuma und bin immer an alternativen Behandlungsformen interessiert. Der Beitrag hilft mir, mich anders zu fokussieren und die eine oder andere Situation anders anzugehen. Vielen Dank für die guten Ideen.